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Mitreden am OHG: Ja – aber wie?

In den letzten 6 Schulwochen hat sich unsere Ethikgruppe mit den Kinderrechten beschäftigt – genauer gesagt mit dem “Partizipationsrecht”, also dem Recht auf Mitsprache und Beteiligung, das allen Kindern und Jugendlichen durch die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) zusteht.

Wir haben uns gefragt: Wie sieht das eigentlich mit der Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern aus – hier am OHG? Wo werden wir gefragt, und wo können wir mitsprechen? Welche Ideen würden wir gerne einbringen, und wie funktioniert das eigentlich mit der SMV?

Als erstes haben wir uns überlegt, was wir an unserer Schule gerne mögen, und was wir lieber anders hätten und warum. Dazu haben wir im Computerraum recherchiert – was sagen zum Beispiel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Thema “Hausaufgaben”, zum Schulbeginn vor acht Uhr oder zu Projektunterricht? Dann haben wir zu unseren Ideen Plakate erstellt (die seht ihr auf den Fotos). 

Als nächstes haben wir ein Interview mit Herrn Hilbert geführt, um ihm unsere Ideen vorzustellen und auch zu erfahren, was alles zu seinen Aufgaben als Schulleiter gehört und wie eigentlich Dinge am OHG entschieden werden. Dabei haben wir erfahren, dass ein Schulleiter nicht alles alleine entscheiden darf, sondern dass es die Schulkonferenz gibt, in der auch Eltern, Lehrkräfte und Schüler ihre Stimme einbringen.

„Mir ist wichtig, dass es bei uns respektvoll zugeht“ – was wir über Herrn Hilberts Arbeit als Schulleiter und über Mitbestimmung am OHG erfahren haben

Als Schulleiter hat Herr Hilbert viel zu tun. Er ist für das OHG verantwortlich, aber zusätzlich als geschäftsführender Schulleiter in Ludwigsburg auch noch für 24 weitere Schulen.

Weil er so viel zu tun hat und viel Verantwortung, hat Herr Hilbert einen Coach, der ihn dabei unterstützt, ruhig und gelassen zu bleiben und Stress und Herausforderungen gut zu bewältigen.

Als Schulleiter ist Herrn Hilbert wichtig, dass Schüler:innen und Lehrkräfte mit ihren Problemen zu ihm kommen und darüber sprechen können („Prinzip der „offenen Tür“). Man soll so sein können, wie man ist, ohne sich verstellen zu müssen.

Insgesamt ist Herrn Hilbert wichtig, dass es am OHG respektvoll zugeht und eine „Kultur der Achtsamkeit“ gepflegt wird.

Dazu gehört auch, dass keine Plakate abgerissen und weggeworfen werden, die von Schüler:innen angebracht werden, und zum Beispiel auf den muslimischen Fastenmonat Ramadan und das Zuckerfest hinweisen. Herrn Hilbert ist es wichtig, dass alle Religionen, die am OHG vertreten sind, gleichermaßen sichtbar sein dürfen und respektiert werden.

Wir haben mit Herrn Hilbert auch über das Handyverbot am OHG gesprochen. Er hat gesagt, dass es wichtig ist, dass wir in den Pausen Zeit zum Spielen haben und um miteinander zu reden. Abschalten geht am besten, wenn das Handy auch abgeschaltet ist. Die meisten von uns finden das auch.

Herr Hilbert hat sich 12 Jahre lang bei der Stadt Ludwigsburg dafür eingesetzt, dass wir ein neues Schulgebäude bekommen. Das Gebäude soll in drei Jahren, also 2027 fertig sein und wird unter anderem eine richtig tolle Mensa bekommen, und auch einen Schulkiosk. Leider musste der ehemalige Schulkiosk wegen der Baustelle geschlossen werden. Herr Hilbert nimmt aber mit, dass wir Schüler:innen uns wünschen, an der Schule etwas zu essen kaufen zu können. Die älteren Schüler:innen gehen in der Pause oft zum „Migros“-Supermarkt um die Ecke, das dürfen wir aber noch nicht. Herr Hilbert hatte die Idee, dass das „Gesunde Frühstück“ vielleicht öfter stattfinden könnte.

Wir haben Herrn Hilbert einige unserer Projektideen vorgestellt, die wir in Gruppen erarbeitet haben. Wir wünschen uns zum Beispiel mehr Projekte im Unterricht und fänden es gut, wenn die Schule morgens erst um 8 Uhr beginnen würde. Außerdem wünschen wir uns weniger Hausaufgaben und dass wir mehr mitbestimmen können, wie der Unterricht gestaltet wird. Wir haben zu den einzelnen Themen auch im Internet recherchiert und uns angeschaut, was Wissenschaftler:innen zu unseren Ideen sagen. Das war spannend, weil es zum Beispiel Untersuchungen gibt, die zeigen, dass die meisten Menschen besser lernen können, wenn sie einigermaßen ausschlafen können, nicht so sehr unter Druck stehen und mitbestimmen können. Und es gibt viele Forscher:innen, die zu dem Ergebnis kommen, dass Hausaufgaben nicht unbedingt gut fürs Lernen in der Schule sind.

Herr Hilbert hat uns ermutigt, aktiv zu werden und unsere Ideen in die SMV (=Schülermitverantwortung) und in die Schulkonferenz einzubringen. Die Schulkonferenz kommt zwei Mal pro Schuljahr zusammen und trifft wichtige Entscheidungen. In ihr sind jeweils gleich viele Lehrkräfte, Schüler:innen aus der SMV und Elternvertreter:innen. Herr Hilbert entscheidet also nicht alles am OHG, sondern im Prinzip können alle mitreden und -bestimmen.

Dann hat uns auch interessiert, wie eigentlich Mitsprache über die SMV funktioniert. Wir haben zwei Schüler aus der 9. Klasse eingeladen, die beide im letzten Jahren Klassensprecher waren und sehr aktiv in der SMV sind. Was wir über die Arbeit der “Schülermitverantwortung” erfahren haben, könnt ihr im Interview lesen:

„Hej, ich kann was bewegen!“ Die SMV am OHG – Interview mit Lenn und Tiago (Klasse 9a)

Tiago und Lenn waren im letzten Schuljahr beide Klassensprecher und sehr aktiv in der SMV. Dadurch haben sie ziemlich viel Ahnung davon, was alles zur SMV-Arbeit gehört und wie die SMV an unserer Schule so funktioniert – und eine Idee, wie noch mehr Schüler/innen befähigt werden könnten bei der SMV mitzumachen.

Ethikgruppe (EG): Wofür steht die Abkürzung „SMV“ eigentlich genau?

Lenn & Tiago (L&T): „SMV“ steht für „Schülermitverantwortung“, also dass Schülerinnen und Schüler an ihrer Schule mitbestimmen dürfen. Manche sagen auch „Schülermitverwaltung“.

EG: Seit wann gibt es die SMV? Gibt es das schon immer?

L&T: Nein. Die Idee, dass Schüler/innen in ihrer Schule ein Mitspracherecht haben sollen, ist erst nach der Zeit des Nationalsozialismus, also nach dem Zweiten Weltkrieg, entstanden. Damals, also so um 1950, wurde Deutschland zu dem demokratischen Land, das wir heute sind. Und da war die Idee, dass Demokratie nicht nur in der „großen Politik“ stattfindet, sondern in allen staatlichen Einrichtungen, also auch in den Schulen.

EG: Gibt es an allen Schulen eine SMV?

L&T: Also wahrscheinlich an den allermeisten. Zumindest sollte es an allen Schulen eine geben. Also an allen weiterführenden Schulen. Wobei es auch an manchen Grundschulen schon SMVen gibt.

EG: Warum seid ihr in der SMV?

L&T: In der SMV mitzumachen, ist einfach die beste Möglichkeit, in der Schule mitzuwirken und seine Interessen zu vertreten. Das ist sozusagen die „kleine Politik der Schule“.

EG: Und wie läuft das dann so ab? Was macht ihr genau in der SMV?

L&T: Also es gibt zwei unterschiedliche Bereiche. Das eine ist das, was du als Klassensprecher machst. Da geht es viel darum, dass du schaust: Gibt es Konflikte in der Klasse, gibt es schwierige Situationen, zum Beispiel mit einer Lehrkraft. So eine doofe Situation hatten wir leider letztes Jahr. Es gab einen Konflikt mit dieser Lehrkraft, der viele Schüler/innen gestört hat. Wir haben dann das Gespräch gesucht und versucht, die Situation alleine zu lösen. Aufgrund des ersten Scheiterns haben wir Herrn Hilbert miteinbezogen, durch den wir dann zum Glück auf einen gemeinsamen Nenner gekommen sind. Schlussendlich sind wir ziemlich happy mit unserer Lehrerin und sind froh, dass wir gehört wurden, und dass man unsere Situation ernst genommen hat. Zuletzt muss man ganz klar sagen, dass man keine Angst haben muss, Lehrkräfte oder die Schulleitung anzusprechen auf Probleme. Man wird immer ernst genommen und jeder versucht, einen zu unterstützen. Und wenn der Aufwand erfolgreich war, kann es sich so wie bei uns entwickeln, dass die ständige Kommunikation mit der Lehrerin, aufgrund des Konflikts, sogar unsere Beziehung gestärkt hat und wir uns nun super verstehen. Der zweite Bereich der SMV-Arbeit ist viel sichtbarer, und das verbinden wahrscheinlich die meisten damit: Das sind die Projekte, damit ihr eine tolle Zeit habt am OHG. Also zum Beispiel der „Tag des Kompliments“ oder die Mittelstufen-Disko, der Schulball oder auch der Tag der Offenen Tür. Bei den Projekten können übrigens auch engagierte Schüler/innen mitmachen, die keine Klassensprecher sind.

EG: Wie viele Schüler/innen sind eigentlich so insgesamt in der SMV?

L&T: Pro Klasse zwei Klassensprecher – und dann noch die Schülersprecher/innen und alle weiteren engagierten Schüler/innen. Ca. 50 Leute sind es ungefähr insgesamt.

EG: Was würdet ihr sagen, ist das Schwerste an der SMV-Arbeit?

L&T: Auf jeden Fall die Umsetzung der ganzen Projekte – das ist sehr viel Arbeit. Vor allem die Planung, wer macht was, und die ganzen Absprachen. Die Kommunikation haben wir als große Herausforderung erlebt. Unserer Meinung nach bräuchte es deutlich mehr regelmäßige Besprechungstermine. Und dann natürlich, dass praktisch alles in der Freizeit läuft. Das heißt, wenn ihr euch in der SMV engagieren wollt, dann müsst ihr wirklich engagiert sein und es vor allem wollen. Alle Arbeit findet außerhalb des Unterrichts statt, manchmal auch in den Ferien. Das darf man nicht vergessen. Leider kommt es mal vor, dass die SMV-Arbeit nicht ganz so geschätzt wird von den Mitschülern/innen, wie man es vielleicht gedacht hätte. Trotzdem muss man sagen, das diese Arbeit einen selbst auch erfüllt, sodass man am Ende eines Projektes stolz sagen kann: “Das waren WIR, wir haben das ganz ALLEINE auf die Beine gestellt.”

Die ganze Arbeit zahlt sich am Ende auf jeden Fall aus!

EG: Wenn Besprechungen sind, treffen sich dann da immer alle 50 Leute?

L&T: Nein – das sind nur diejenigen Versammlungen, zu denen jede/r Klassensprecher/in erscheinen muss, und wo die engagierten Schüler/innen können. Zu Beginn des Schuljahres gibt es beispielsweise eine Versammlung, wo die ganzen Projekte verteilt werden und die Planungen anfangen. Hier sollte es allerdings während der Planung, über das Jahr, in den jeweilig dafür zuständigen Kleingruppen, kleine Besprechungen mit allen Mitwirkenden des Projekts geben, um den Stand der Planung auszutauschen. Man kann also sagen, dass die jeweiligen Abteilungen der SMV ständig in Kontakt miteinander stehen.

Sonst gibt es gibt es aber auch in regelmäßigen Abständen noch Termine, wo es um interne Punkte des OHGs geht, die ausschließlich für die verpflichteten Teilnehmer der SMV sind.

EG: Gibt es außer den festen Projekten auch noch andere Sachen, die die SMV macht?

L&T: Ja. Also man könnte sagen, wir sind manchmal auch die Stimme der Schüler, die versucht, Dinge zu verändern. Zum Beispiel haben wir uns letztes Schuljahr dafür eingesetzt, dass mehr Fahrradständer an der Schule installiert werden. Dazu hatten wir eine Umfrage gemacht, und dadurch wurde schon deutlich, dass das nicht was ist, was nur zwei Leute fordern, sondern dass da sehr viele Schüler/innen am OHG dahinterstehen. Dass unser Wunsch dennoch nicht durchging, lag in dem Fall daran, dass es ja grade die Baustelle gibt, und auf dem neuen Schulgelände ohnehin mehr Fahrradständer eingeplant sind. Und dann ist es natürlich auch immer eine finanzielle Frage: Wofür gibt die Schule ihr begrenztes Budget (also Geld) aus? Und dann wäre es in dem Fall halt so, dass Geld für Fahrradständer ausgegeben würde, die dann in zwei, drei Jahren wieder abgebaut werden müssten.

EG: Machen die Schüler in der SMV eigentlich alles komplett alleine?

L&T: Also vieles ja – aber es gibt natürlich auch noch die beiden Verbindungslehrkräfte. Die werden auch von der SMV gewählt. Das sind im Moment grade Frau Lambert und Herr Kremp . Die sind, wie der Titel schon sagt, sozusagen die Verbindung zwischen der SMV und den Lehrer/innen bzw. der Schulleitung. Sie unterstützen uns bei der Organisation und bei den Absprachen an vielen Stellen.

EG: Welche Eigenschaften sind wichtig, wenn man in der SMV mitmachen will?

L&T: In unseren Augen muss man keinerlei Eigenschaften haben! Allerdings ist es deutlich leichter, wenn man ein gewisses Können hat. Selbstbewusstsein und Offenheit sind unserer Meinung sehr unterstützend in Gesprächen beispielsweise. Hat man diese Eigenschaft aber nicht, ist das prinzipiell nichts Schlimmes, man trainiert sich diese Dinge mit der Zeit an, was definitiv ein Pluspunkt für die SMV ist, da man dort häufiger mit Themen wie Kommunikation und Präsentation zu tun hat.

EG: Dann haben wir noch eine letzte Frage an euch: Wenn ihr drei Wünsche für die SMV-Arbeit am OHG freihättet – welche wären das?

L&T: Gute Frage. Also einmal, dass noch mehr Schüler/innen in der SMV mitmachen. Es ist schön zu sehen, dass Schüler/innen ihren Alltag am OHG mitgestalten können, dürfen und wollen. Darüber hinaus würden wir uns flachere Hierarchien an der gesamten Schule wünschen, und insgesamt mehr Zeit für Kommunikation zwischen Schüler/innen und Lehrer/innen. Und wir wünschen uns deutlich mehr Transparenz und Unterstützung für diejenigen Schüler/innen, die sich in die SMV-Arbeit einbringen wollen. Viele am OHG wissen ja gar nicht: Was macht die SMV überhaupt genau? Unser Wunsch wäre, dass es für alle Schüler/innen wie so eine Art „Partizipations-Kurs“ gäbe. In der Unterrichtszeit. Wo sie lernen: Was macht die SMV? Warum gibt es das? Wie kann ich mich engagieren? Welche Skills brauche ich dafür? Und so weiter. Das ist ja auch wichtig für die Demokratie. Weil oft machen halt die mit, die diese Skills schon mitbringen, und die es sich von ihren Noten her halt auch „leisten“ können, in ihrer Freizeit SMV-Arbeit zu machen. Aber es sollten ja eigentlich ALLE die Möglichkeit bekommen, sich einzubringen, also auch zum Beispiel die Schüchternen, und die Erfahrung zu machen: Hej, ich kann was bewegen. Nur zu sagen: „Ihr könnt doch mitmachen“ – das reicht nicht. Weil viele es „einfach so“ halt nicht können.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die SMV eine großartige Möglichkeit ist, auf Augenhöhe mit Lehrkräften das OHG mitzugestalten. Egal welche Grundkenntnisse man selbst hat, die SMV ist für jede/n offen und dankbar für Unterstützung. Es ist die perfekte Möglichkeit, seine Interessen zu vertreten und etwas Gutes für die Gemeinschaft zu tun. Also unser Appell an euch: Bringt euch ein und tretet der SMV bei!

Unsere Projektvorschläge werden wir zu Beginn des nächsten Schuljahrs in die SMV einbringen. Wenn ihr uns unterstützen wollt oder einfach so bei der SMV mitmachen wollt, lasst euch zur Klassensprecher-Wahl aufstellen – oder kommt einfach so dazu!

Natürlich könnt ihr euch auch jetzt schon direkt an die SMV wenden. Schreibt eine Mail an smv@ohg-lb.de oder meldet euch über insta: smv_news_ohg